Schierker Feuerstein

Schierker Feuerstein – Vom Apothekenelixier zur Harzer Traditionsmarke

Der Schierker Feuerstein zählt heute zu den bekanntesten Kräuterlikören Deutschlands. Seine Wurzeln reichen jedoch nicht in eine Brennerei, sondern in die ehemalige Apotheke „Zum Roten Fingerhut“ im Harzort Schierke zurück. Dort entwickelte der Apotheker Willy Drube zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Kräutermischung, die ursprünglich zur Unterstützung der Verdauung gedacht war.

Die Anfänge in Schierke
Im Jahr 1908 übernahm der junge Apotheker Willy Drube die Schierker Apotheke. Da der Ort bereits damals ein beliebtes Reiseziel für Kurgäste war, wurde er häufig zu Patienten gerufen, die nach üppigen Mahlzeiten unter Magenbeschwerden litten. Aus seiner pharmazeutischen Erfahrung heraus entwickelte Drube eine sorgfältig abgestimmte Mischung aus Kräutern und Wurzeln, die nicht nur Beschwerden lindern, sondern deren Ursachen entgegenwirken sollte. Aus dieser Rezeptur entstand später der Schierker Feuerstein.

Patent und steigende Bekanntheit
Mit der Patentierung im Jahr 1924 begann die Herstellung in größerem Umfang. Seinen Namen erhielt der Kräuter-Halbbitter von den markanten Feuersteinklippen bei Schierke, deren rötlich schimmernder Granit bis heute das Erscheinungsbild der Marke prägt. Das bekannte rote Flaschenetikett wurde allerdings erst Anfang der 1970er Jahre eingeführt.

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Schierker Feuerstein weit über den Harz hinaus zu einem beliebten Kräuterlikör. Eine besondere Anekdote erzählt von der Hochzeit einer Tochter Willy Drubes: Zu diesem Anlass ließ der Apotheker einen Brunnen vor seinem Haus errichten, aus dem für einen Tag ausschließlich Schierker Feuerstein nach der Originalrezeptur floss.

Eine Marke zwischen Ost und West
Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Produktion weitgehend. Nach Kriegsende nahm die Geschichte jedoch eine außergewöhnliche Wendung. Im Jahr 1952 verließ Drubes Tochter Margrit Geyer gemeinsam mit ihrer Familie Schierke und brachte das Originalrezept nach Bad Lauterberg im Westharz. Dort wurde der Kräuterlikör nach der ursprünglichen Rezeptur weiter hergestellt.

In Schierke selbst entstand unter der Leitung von Ingeburg Dobberkau, einer Enkelin des Erfinders, eine angepasste Variante. Aufgrund fehlender Zutaten musste die Rezeptur vereinfacht werden, wodurch sich der Geschmack von der westdeutschen Herstellung unterschied. Trotz dieser Unterschiede blieb der Schierker Feuerstein in der DDR ein begehrtes Produkt und war häufig nur schwer erhältlich.

Verstaatlichung und Neubeginn
Mit der Verstaatlichung im Jahr 1972 wurde der Betrieb als VEB Schierker Feuerstein Teil des Getränkekombinats Magdeburg. Die Familie blieb dennoch über viele Jahre mit dem Unternehmen verbunden und prägte die Entwicklung des traditionsreichen Produkts weiter.

Nach der deutschen Wiedervereinigung kehrte die Marke schließlich an ihren Ursprungsort zurück. 1990 gründete Dieter Geyer, ein Enkel Willy Drubes, die Schierker Feuerstein KG neu. Das historische Stammhaus in Schierke wurde umfassend saniert, die Beschäftigten übernommen und die Herstellung wieder konsequent nach der ursprünglichen Rezeptur des Firmengründers ausgerichtet.

Tradition bis heute
Bis heute bildet eine geheime Mischung ausgewählter Kräuter und Wurzeln die Grundlage des Schierker Feuersteins. Die pflanzlichen Inhaltsstoffe werden in Schierke schonend mit Alkohol extrahiert und anschließend über einen langen Zeitraum gelagert, bevor sie weiterverarbeitet werden. Die Abfüllung erfolgt heute im Betrieb in Bad Lauterberg.

Ein besonderes Kapitel der Unternehmensgeschichte ist untrennbar mit seinem Gründer verbunden. Willy Drube war für seinen Humor bekannt und verfasste bereits in den 1930er Jahren selbst die Inschrift seines Grabsteins. Sie lautet:

„In dieser Erdengrube ruht Apotheker Drube.Oh Wanderer, eile fort von hier,sonst kommt er raus und trinkt mit Dir!“

Dieser augenzwinkernde Spruch spiegelt den Charakter des Erfinders wider und erinnert bis heute an den Mann, dessen pharmazeutische Idee sich von einem Apothekenelixier zu einer der bekanntesten Spezialitäten des Harzes entwickelte.

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